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Volos Victoria

Ehre wem Ehre gebührt oder besser: Anerkennung wem Anerkennung gebührt. Für unsere crossmediale Sommertour haben wir Zeitungs-Volos vom Bonner General-Anzeiger jetzt zusammen mit den Volontären von Radio Bonn/Rhein-Sieg einen Anerkennungs-Preis der Landesanstalt für Medien NRW erhalten. Geehrt, gefeiert und getanzt wurde beim Radio Award in einem schicken Hotel im Düsseldorfer MedienHafen.

Katrin Puvogel, Marcel Dörsing, Simon Bartsch, Volo Vögtle, Sebastian Fink, Clemens Boisserée, Stephan Kern, Chris Necke. Es felhlen Jesse Lambertz und Andreas Dyck
Katrin Puvogel, Marcel Dörsing, Simon Bartsch, Volo Vögtle, Sebastian Fink, Clemens Boisserée, Stephan Kern, Chris Necke (v.l.). Es fehlen Jesse Lambertz und Andreas Dyck. Foto: RBRS

Was unsere Chefin vom Dienst über die Anerkennung ihrer Volos schreibt, steht auf der Homepage des General-Anzeigers

Alle weiteren Gewinner des Hörfunkpreises 2015 und ihre Beiträge gibt es auf der Seite der Landesanstalt für Medien NRW

Die Reportagen unserer diesjährigen Sommertour mit den Radio-Beiträgen, Videos und Fotos zum Nachlesen, Nachhören und Nachschauen findet ihr auf dem Blog: www.ga-bonn.de/sommertour

Sieger-Selfie

Der 8. Mai 1945 ist ein epochales Datum. Die Kapitulation der deutschen Wehrmacht vor 70 Jahren beendete den vielerorts schon in den Wochen und Monaten zuvor in Trümmern, Tod und Trauma erstickten Zweiten Weltkrieg ganz offiziell. Ob als Untergang des deutschen Reichs, Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, Sieg der Allierten, Befreiuung der Millionen noch lebender NS-Opfer. Der 8. Mai ist der Wendepunkt deutscher und globaler Geschichte und in diesem Jahr der Höhepunkt eines noch nie gesehenen Gedenk-Marathons, der mit 100 Jahren Erster Weltkrieg seinen Anfang nahm.

Gedenken an einem Werbeplakat unter der Bonner Viktoria-Brücke

Ob Deutsche Welle, ARD, Süddeutsche Zeitung, ZEIT, Spiegel Online, taz oder General-Anzeiger. Die deutsche Medien- und Presselandschaft begleitet den 70. Jahrestag des Kriegsendes in diesen Tagen mit lesens- wie sehenswerten Specials und Sonderseiten. Dabei geht es bewusst nicht nur um den Mai 1945, sondern auch um die NS-Verbrechen seit 1933 sowie Chaos und Chancen der Nachkriegszeit.

Wo in Bonn noch heute Spuren des Terrors zu finden sind, wie viele Millionen Menschen der Suchdienst des DRK seit 1945 wieder zusammengebracht hat und was Kriegsgefangene am Rhein in den ersten Monaten nach Kriegsende erlebten, habe ich mit erstklassigen Kollegen recherchiert und aufgeschrieben.

Im Keller des heutigen Oscar-Romero-Hauses sind noch die Türen der SS-Folterzellen aus den 1930er Jahren zu sehen

Mahnende Erinnerung

Das Doppel-Gedenkjahr der Superlative nähert sich seinem Höhepunkt, dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Dabei jähren sich derzeit auch die Bombardierungen deutscher Städte zum 70. Mal. Viele Orte stehen hier meist im Schatten von Dresden, das in der DDR und in der Bundesrepublik zur Chiffre der Bombenkriegserfahrung geworden ist.

Angestoßen durch einen unscheinbaren Gedenkstein in Jena zur Bombardierung der Stadt am 19. März 1945 habe ich mit meiner Masterarbeit versucht einen neuen Beitrag zur Jenaer Stadtgeschichte und Erinnerungspolitik zu leisten.

Jenaer Gedenkstein zum Bombenkrieg

Wer erinnert(e) wie in Jena während Besatzungszeit, SED-Herrschaft und im vereinten Deutschland an die Bombenangriffe des Jahres 1945? Welcher Gedenkrituale bedienten sich die lokalen Erinnerungsakteure dabei in den vergangenen 70 Jahren und anhand welcher Großnarrative entwickelte sich das Gedenken?

Einen Einblick in meine Masterarbeit gibt es hier:

Mahnende Erinnerung – individuell gestiftet oder öffentlich geschaffen?

Bombenkriegsgedenken in Jena von 1945 bis heute

Eine Erzählung der Schriftstellerin Ricarda Huch aus dem Radio von 1947:

Ricarda Huch über den Bombenangriff auf Jena

Ein Bericht der Ostthüringer Zeitung zur Gedenkfeier am 70. Jahrestag:

Vor 70 Jahren wurde Jena während eines Bombenangriffs schwer getroffen

Das große Fressen

“Er trank das zweite Glas Roten aus und fing die dritte Pastete an, pausenlos essend, gierig die Speisen dieser Welt in sich hineinschlingend, zwischen den Kiefern zermalmend, ein Dämon, der einen unendlichen Hunger stillte.”

So wie Kommissar Bärlach in Dürrenmatts Kriminalroman „Der Richter und sein Henker“ das Essen verschlingt, machen es nicht nur Schweizer Romanfiguren, sondern viele Westeuropäer, vor allem zur Weihnachtszeit. Zugleich hungern 805 Millionen Menschen weltweit. “Das große Fressen“ – so der Titel eines französisch-italienischen Films aus den 1970er-Jahren – und die elende Hungersnot lassen sich aus verschiedenen Perspektiven betrachten und zwar von A-Z.

Antipasti- und Salatbuffet (Toskana)

A – All you can eat: Ob Brunch-Buffet, China-Menü oder Sushi-Laufband – wer hat sich noch nie im Restaurant zum Einheitspreis satt gegessen? All-you-can-eat und All-inclusive-Angebote gibt es schon lange, umso normaler erscheint uns dieses Konsum-Ereignis heutzutage.

B – Bierbauch: Kaum ein Erscheinungsbild steht wohl so deutlich für einen wohlgenährten und gestillten Menschen wie der bekannte Bierbauch. Viel bedenklicher ist, dass die Bäuche vieler Kinder aus Entwicklungsländern ebenfalls dick und aufgebläht sind. Jedoch nicht wegen ständigem Hopfen- und Hefe-Konsum, sondern weil sie unterernährt sind. Den Hunger leidenen Kindern fehlen dann meist wichtige Aminosäuren, die zu einer Abnahme eines Proteins im Blut führen. Das Wasser  kann nicht mehr im Gewebe gebunden werden, sondern sammelt sich im Bauch und bläht diesen nach und nach auf. Dieses Phänomen wird auch als Hungerödem bezeichnet.

C – Containern: Zwar gibt es Tafeln, die überschüssige Lebensmittel an Bedürftigte verteilen, dennoch landet jeden Abend tonnenweise essbares Obst, Gemüse und vieles mehr in den Mülltonnen der Supermärkte. Auf dieses schändliche Phänomen versuchen vor allem junge Menschen seit einigen Jahren aufmerksam zu machen. Und so geht’s allabendlich zum Containern oder Dumpstern – für die einen ist es eine moralische Aktion, mit der sie die Komsum- und Wegwerf-Gesellschaft anprangern, für andere eine wichtige Nahrungsquelle und einige machen es auch aus Spaß. Die Grenzen zum Diebstahl und Hausfriedensbruch sind beim Mülltauchen fließend, jedoch wurden beinahe alle Strafverfahren bisher eingestellt. (siehe L)

D – Dekadenz: Ohne an dieser Stelle einen philosophischen Exkurs auszubreiten, lässt sich für die Gegenwart der westlichen Gesellschaft eine Dekadenz beobachten, die bereits 1973 im Kultfilm “Das große Fressen” paradigmatisch vorgeführt wurde. Die dort bloßgestellte Dekadenz der Bourgeoisie äußert sich in Sexorgien und vor allem in nicht endenden Völlereien und damit der sinnlosen Verschwendung von meist kostbaren Speisen. (s. K)

Dekadenz-Kritik (Heidelberg)

E – Essstörungen: In Industriestaaten kennt man dicke Kinderbäuche aufgrund von Mangel- oder Unterernährung (siehe B) ebenso wenig wie abgemagerte Körper wegen Hungersnot. Umso öfter sehen sich Menschen dort mit Essstörungen wie Bulimie und Magersucht oder auch mit Lebensmittelunverträglichkeiten wie Fruktose- und Glukoseintoleranz oder Zöliakie (siehe Z) konfrontiert.

F – FAO: Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN mit Sitz in Rom versucht seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Produktion und Verteilung von Lebensmittel auf der Welt und den Lebensstandard der ländlichen Bevölkerung zu verbessern und damit die Hungersnot der Menschen zu reduzieren. Auch Brot für die Welt und Welthungerhilfe sind von Bonn aus als wichtige Entwicklungshilfeorganisationen auf diesem Gebiet aktiv.

G – Gentechnik: Unterschiede zwischen arm und reich werden durch Gentechnik nicht behoben, sondern führen oft zu weiteren Problemen. Gentechnisch veränderte Lebensmittel, wie etwa Yellow Rice mit Vitamin A, werden unter dem Deckmantel der Entwicklungszusammenarbeit an Regionen mit hoher Mangelernährung verkauft. Ziel ist hierbei offiziell der Kampf gegen den Hunger. Doch die wirklichen Profiteure sind meist Chemiefirmen aus reichen Industrieländern, von denen die Kleinbauern abhängig werden. Außerdem nehmen sie Umweltrisiken in Kauf und essen zugleich nicht unbedingt besser als zuvor. (siehe N)

H – Hungerstreik: In Deutschland gestrandete Flüchtlinge machen immer wieder – gerade erst in München – mit politischen Hungersteiks auf ihr Schicksal und ihre Rechte aufmerksam und protestieren so etwa gegen ihre Unterbringung in schäbigen Unterkünften oder besser: Lagern. Den Hungerstreik als Mittel des passiven Widerstands und als Protestaktion nutzten auch die RAF-Terroristen in den 1970er-Jahren, um eine Verbesserung ihrer Haftbedingungen zu erreichen.

I – Italienische Küche: Pizza, Pasta, Polenta – die cucina italiana hat noch viel mehr zu bieten und ist deshalb weltweit so beliebt wie keine andere Nationalküche. Wer wie der Autor ein Jahr seines Lebens in der Toskana verbringt, weiß, wovon er redet. Ob Auberginenauflauf, Pilz-Risotto, Bohnensuppe, frittierte Zucchiniblüten, Wildschweinragout oder Tiramisú – das Essen ist oft einfach, gut und günstig. Dazu die besten Olivenöle und Weine überhaupt. Buon appetito! (siehe P)

J – Junkfood ist eine polemische Bezeichnung für in der Regel ungesunde und in Massen hergestellte Lebensmittel. Der Begriff kommt wie Fast Food aus den USA und kritisiert damit indirekt auch die Essgewohnheiten der Amerikaner.

Werbe-Wurstmobil (Málaga)

K – Kaviar: Die oft auch als “schwarzes Gold” bezeichneten Fischeier dienen der feinen Gesellschaft zum abendlichen Luxus-Löffeln. Neben Trüffel, Hummer und Foie Gras zählt Kaviar zu den teuersten Lebensmitteln der Welt. (siehe D)

L – Lebensmittelretter: Während beim Containern bereits weggeworfene Lebensmittel aus der Tonne gefischt werden, landen übrige Produkte beim Foodsharing erst gar nicht im Müll. Vom Regisseur der Verschwendungsdoku Taste the Waste Valentin Thurn und anderen ins Leben gerufen, bieten die Lebensmittelretter via Internet Händlern, Produzenten und Privatleuten eine Plattform um überschüssige Nahrungsmittel und Reste zu tauschen und zu verteilen und so vor dem Wegwerfen zu retten. (siehe C)

M – Mensa: Wer kennt es nicht – das Jammern über den Mensa-Fraß oder die Kantinen-Kost im Betrieb. Da steht man in seiner wertvollen und meist kurzen Mittagspause minutenlang in der Schlange und ärgert sich dann auch noch grün und blau. Doch seien wir ehrlich: wer nicht will, muss nicht – ein Vesperbrot und Obst tut es auch, abends wird dann schön daheim gekockt. Wer mittags dennoch nicht auf seine warme Mahlzeit verzichten will, der muss bei der Deutschen Welle am Bonner Rheinufer arbeiten – die dortige Kantine ist eine Gaumenfreude. 

N – Nassreisanbau ist wohl die bekannteste Monokultur in der Landwirtschaft. Doch nicht nur der Reis in Asien, auch der Kaffee in Afrika und Lateinamerika oder in Europa zunehmend Mais sind Beispiele dieses nur auf eine Pflanzenart konzentrierten Anbaus auf einer großen Fläche. Monokulturen bringen wirtschaftliche Vorteile, birgen aber zugleich viele Risiken vor allem ökologischer Art. Genau hier kommt die Gentechnik ins Spiel, die bei landwirtschaftlichen Monokulturen die natürlichen Pflanzen ersetzt und den Anbau so künftig vor Schädlingen und Unkraut schützt. (siehe G)

O – Orangenschlacht:

Folgen der Orangenschlacht (Ivrea)

Im piemontesischen Ivrea ereignet sich jedes Jahr zum Karneval ein Spektakel, das Tausende von Schaulustige in die sonst beschauliche Stadt treibt, dabei aber zumindest Kopfschütteln verursachen sollte. Denn bei der battaglia delle arance fliegen tonnenweise sizilianische Orangen durch die Gassen der Altstadt. Die Orangenschlacht von Ivrea hat Tradition. Bereits seit dem 19. Jahrhundert findet der storico carnevale hier statt. Dabei treten die verschiedenen Contrade (Stadtviertel) gegeneinander an. Eine Partei fährt ausgerüstet mit Helmen auf einem Pferdekarren durch die Straßen, die Gegner verteidigen sich von unten ohne Schutz. Nicht selten werden die Orangenkrieger schwer getroffen und verletzt. Die Zuschauer begleiten das fragwürdige spettacolo mit etwas Abstand. Wer nicht ins Visier einer fliegenden Orange kommen will, trägt eine rote Mütze auf dem Kopf – sie gilt als symbolisches Schutzschild, ganz sicher ist man damit jedoch noch lange nicht. Am Ende des historischen Karnevalsereignisses gleicht die Stadt einem Schlachtfeld aus Pferdemist und zermalmten Orangen. Tradition und Volksfest schön und gut, aber muss dieser Verschwendungs- und Vernichtungsakt von Lebensmitteln – wie man es auch von der jährlichen Tomatenschlacht aus Spanien kennt – wirklich sein? Ein klares Nein!

P – Pizza: Kaum ein Gericht ist so beliebt wie die aus Napoli stammende und im Holzofen gebackene Pizza. Ihre weltweite Ausdehnung im 20. Jahrhundert ist unter anderem auf den guten Geschmack und ihren meist erschwinglichen Preis zurückzuführen. Der Eroberungsfeldzug hat dabei leider längst amerikanische Fast-Food-Ketten und Kühltheken deutscher Supermärkte erreicht, was die napoletanischen Pizzaioli nur mit Achselzucken zur Kenntnis nehmen. (siehe I)

Pizza napoletana (Napoli)

Q – Quinoa: Dem auch als Inkareis oder Andenhirse bekannten Gewächs gehört die Zukunft. Das bisher überwiegend in Peru und Bolivien angebaute und dort auch als Grundnahrungsmittel genutzte Korn mit einem großem Anteil an Eiweiß und Mineralien hat längst einen Export-Markt in Europa gefunden. Quinoa kann als Gemüse, Salat oder auch als Getreide-Alternative für Menschen mit Glutenunverträglichkeit (siehe Z) verwendet werden und ist auch deshalb so wertvoll über Lateinamerika hinaus.

R – Restaurantkritiker treiben vor allem in Sternelokalen ihr Unwesen. Wolfram Siebeck – der wohl bekannteste deutsche unter ihnen – bekam früher schon mal Hausverbot nach seinen Beurteilungen im Feinschmecker oder der ZEIT. In den vergangenen Jahren schrieben immer mehr Food-Blogger über ihre kulinarischen Eindrücke und ärgerten oft mit harscher Kritik die Köche in der Republik. Diese lassen sich aber immer noch lieber von den Restaurantführern Guide Michelin und Gault-Millaut bewerten. 

S – Steckrübe: Die heute wenig beliebte, aber nicht zu verachtende Kohlrübe war in (Nach-)Kriegszeiten das oft wichtigste Nahrungsmittel für die Bevölkerung. So etwa im nach ihr benannten “Steckrübenwinter” 1916/1917, als sie die Kartoffel-Missernte ersetzte und als Grundlage für Suppen, Aufläufe, Marmelade und Kaffee diente. Bei vielen schon wieder in Vergessenheit geraten, half sie auch im eiskalten “Hungerwinter” 1946/1947 vielen Menschen in Deutschland die mangelnde Nahrungsmittelversorgung einigermaßen auszugleichen. Man sollte dem Gemüse ein würdiges Denkmal setzen!

T – Tafel: Anfang der 1990er-Jahre in Deutschland gegründet, versuchen Tafeln mit ehrenamtlichen Helfern Lebensmittel, die nicht mehr verkauft oder verwendet werden, sinnvoll an Bedürftige zu verteilen. Bis heute gibt es über 900 Tafeln im Bundesgebiet. Einige der Tafeln betreiben auch Suppenküchen – eine tägliche, öffentliche Essensausgabe – die bereits im 19. Jahrhundert verbreitet war. Kritik an der Arbeit von Tafeln wird immer laut. Die Armut von Menschen könne durch die Lebensmittelausgabe zwar verringert werden, aber ihre Ursachen nicht beseitigt werden, so der Tenor. (siehe auch C und L)

U – Urban Gardening: Ob auf dem Dach, auf Balkonien, im Park oder im Garten: der Eigenanbau von Gemüse und Obst in den Städten erlebt eine Renaissance. Nun mögen manche anmerken, immer schon Himbeer- und Johannisbeersträucher in ihrem Vorgarten und einen Nussbaum auf dem Grundstück zu haben oder seit jeher eigene Tomaten, Salat und Kohl zu verzehren. Aber Urban Gardening ist eine Bewegung, die Leute von einem Leben als Selbstversorger träumen lässt, die bisher keinen grünen Daumen hatten und Gemüsebeete an Orten entstehen lässt, die dazu von der Natur ursprünglich nicht vorgesehen waren. Das ist klasse.

Zucchini-Blüten

V – Vegetarier und Veganer gibt es besonders in Deutschland jährlich mehr. Man unterscheidet zwischen Ovo-Lakto-Vegetarismus (Verzicht auf Fleisch, Fisch, auch Gelatine), Lakto-Vegetarismus (zusätzlicher Verzicht von Eiern), Ovo-Vegetarismus (Zusätzlicher Verzicht auf Milchprodukte) und Veganismus (Verzicht auf alle tierischen Produkte wie etwa auch Honig), wobei es weitere Formen gibt. Sich vegetarisch/vegan zu ernähren, kann viele Gründe haben – dazu gehören moralische, emotionale, geschmackliche oder gesundheitliche.

W – Warenkorb: In den 1950er-Jahren vom Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge entwickeltes Modell zur Ermittlung des Existenzminimums. Diese standardisierte Armutsmessung berücksichtigte Ernährung, Stromverbrauch, Kleidung, Schuhe, Wäsche, Hausrat, Körperpflege und Reinigung sowie weitere persönliche Befürfnisse des Alltags. In die Kritik geriet der Warenkorb vor allem wegen der zu knapp berechneten gesunden Nahrungsmittel. Die Fürsorgeempfänger sollten demnach viel mehr Fett und Kohlenhydrate als frisches Gemüse zu sich nehmen, bekamen andererseits aber von Fürsorgerinnen Tipps zum Haushalten wie etwa Speisepläne und Resteverwertung, was in der 1950er-Jahren als “Heidelberger Küchenzettel” bekannt wurde. In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Warenkorb wegen der zunehmenden Konsumgewohnheiten immer wieder angepasst. Neben den Bereichen Essen und Wohnen sind für die letzten Jahre auch Verkehr und Freizeit wichtige Bestandteile des Warenkorbs geworden.

X – Xanthan ist ein für Bio-Lebensmittel zugelassener Zusatzstoff, der als Verdickungs- und Geliermittel unter anderem in Milchprodukten und Mayonnaise sowie in Seifen und Shampoos eingesetzt wird. So sorgt er als Bindemittel etwa auch bei glutenfreien Backwaren (siehe Z) für mehr Volumen.

Y – Yakitori ist die japanische Variante des in aller Welt beliebten Grillspießes – so wie anderswo Schaschlick, Souvlaki, Şiş Kebap oder Satay. Meistens mit Fleisch, sind sie jedoch alle eigen – Yakitori-Spieße bestehen ursprünglich aus Hühnerfleisch – und auch mit Fisch und Gemüse gibt es sie meist frisch und günstig am Straßenstand, womit sie eine ideale Alternative zum sonstigen Fast-Food sind. (siehe J)

Z – Zöliakie: Unter der besser als Gluten-Unverträglichkeit bekannten Erkrankung der Dünndarmschleimhaut leiden auch in Deutschland immer mehr Menschen. Sie müssen deshalb auf alle Getreidesorten verzichten, die Klebereiweiß (Gluten) beinhalten und damit auch auf Brot, Bier, Müsli oder Pizza, die in der Regel aus Weizen, Gerste, Hafer oder Roggen gemacht sind. Jedoch bieten Supermärkte wie Restaurants immer mehr Getreide-Produkte und Speisen an, die etwa aus Mais, Reis, Hirse oder Quinoa (siehe Q) zubereitet sind – meist jedoch etwas teurer.

“Immer neue Speisen nahm er zu sich, als koste er nur noch einmal, zum letzten Male das, was die Erde dem Menschen bietet.”

‘Patagonien – Gründungsmythen und diskursive Emanzipationen eines geopolitischen Raumes‘ lautete der Titel einer internationalen Tagung über die Literatur Patagoniens, zu der sich Literaturwissenschaftler aus Argentinien, Chile und Deutschland in Jena trafen. Im Interview erzählt Claudia Hammerschmidt von der Friedrich-Schiller-Universität unter anderem wie sich die moderne patagonische Literatur von der bekannten Reiseliteratur der südamerikanischen Sehnsuchtsregion unterscheidet.

Das Interview ist im Argentinischen Tageblatt erschienen.

Medialer Mauerfall

Spielfime und Dokus im Fernsehen, Hörspiele und Debatten im Radio, die Zeitungen voll mit Interviews und Gastkommentaren, eine Gratis-BILD im Briefkasten, eine Gedenkstunde im Bundestag mit Biermann-Show, dazu Feierlichkeiten in und um Berlin. Das 25. Jubiläum des Mauerfalls ist in diesen Tagen omnipräsent und das ist gut so. Denn wir Deutschen dürfen uns auch mal fröhlich an unsere Geschichte erinnern, auch wenn einigen das seit den Leipziger Revolutionsfeiern anhaltende Gedenk-Spektakel zum Herbst 1989 mittlerweile auf die Nerven geht.

Medialer-Mauerfall

Doch gerade der mediale Marathon ist nicht Neues, man muss nur auf die historische Nacht vor 25 Jahren zurückblicken. Denn ohne die Macht der Medien, vor allem des West-Fernsehens, am Abend des 9. Novembers wären die Schlagbäume an den Grenzstellen vermutlich nicht so schnell geöffnet worden und der Mauerfall hätte sich noch etwas verzögert.

Eine gekürzte und aktualisierte Seminararbeit zur

Rolle und Bedeutung der westdeutschen und ausländischen Fernsehjournalisten beim Mauerfall

“Und in Jene lebt sich´s bene
und in Jene lebt sich´s gut
Bin ja selber drin gewesen
wie da steht gedruckt zu lesen
[vier] Semester wohlgemut”

Die erste Strophe dieses Studentenliedes aus dem 19. Jahrhundert bringt es auf den Punkt – in Jene lebt sich’s bene! Das gilt auch für meine kurze, aber kostbare Zeit in der Saale-Stadt. Über Eindrücke zwei schöner Jahre in Thüringen bietet sich – nun zurück im heimischen Südwesten – ein alphabetischer Rückblick an.

Und so reiht sich dieses geschichtsintensive Jenaer ABC in die Tradition des Berliner Alphabets, des Berichts aus Bonn, des Glossars aus Buenos Aires und des Istanbuler Reiselexikons ein. Viel Freude beim Erkennen und Entdecken einer unterschätzten Stadt!


Blick auf Jena vom Landgrafen

A – Autobahn: “Erzähl ich von Jena den Leut im Westen, dann denken sie meist nur an Plattenbauten und ächzen”. Dieser Satz wirkt vielleicht plump und pauschal, aber er trifft leider voll und ganz zu. Denn die so schön – umgeben von grünen Hügeln und goldenen Kalkmuschel-Felsen – im Saaletaal gelegene Stadt kennt die Mehrheit der Deutschen ausschließlich von der Autobahn A 4. Genau das hält die Wessi-Stereotypen über die untergegangene DDR auch 25 Jahre nach dem Mauerfall wach. Denn von Studentenparadies und Saale-Idylle merken die Autofahrer hier in Lobeda nichts, dafür rasen sie mitten durch einen der bekanntesten DDR-Wohnblöcke vor den Toren der Stadt. Ein Eindruck der bei fast allen negativ mit dem Namen Jena hängen bleibt und nicht gerade mehr Besucher in die Stadt lockt.

B – Bombenkrieg: Die Jenaer Altstadt wurde im 20. Jahrhundert gleich zweimal stark zerstört. Zum einen – vor allem seiner Bedeutung als Industriestandort wegen (siehe Z) – im Zweiten Weltkrieg durch amerikanische Bomben – besonders am 19. März 1945, zum anderen mit einem Flächenabriss noch bestehender Häuser und ganzen Straßenzügen im Rahmen der sozialistischen Umgestaltung des Stadtzentrums im Jahr 1969 (siehe K). Wer mehr über die städtische Erinnerungskultur zu den Zerstörungen erfahren möchte, dem empfehle ich die Lektüre meiner gerade abgeschlossenen Masterarbeit über das Bombenkriegsgedenken in Jena. (Bei Interesse bitte ich um kurze Nachricht.)

Bombenkrieg-Gedenkstein und Masterarbeit

C – Camsdorfer Brücke: Eine der ältesten und bedeutendsten Brücken über die Saale verbindet das Jenaer Zentrum vom Steinweg (siehe S) aus mit dem Osten der Stadt. Dort, als erstes Haus an der östlichen Uferpromenade, steht das Gründungshaus der deutschen Burschenschaft, die Grüne Tanne (siehe U). Die um 1480 gebaute Brücke hat eine wechselvolle Geschichte vorzuweisen. Zerstört im Dreißigjährigen Krieg, zogen Napoleons Truppen 1806 über die wiederaufgebaute Brücke in die Stadt ein, 1912 wurde sie abgerissen und wieder errichtet um für den modernen Verkehr gewachsen zu sein. Im April 1945 überquerten Tausende Buchenwald-Häftlinge von Weimar kommend hier die Saale auf ihrem Todesmarsch. Nur wenige Tage später wurde sie von deutschen Soldaten gesprengt um den Vormarsch der Amerikaner vergebens zu stoppen. Mit Hilfe der sowjetischen Besatzungsmacht wurde sie als “Brücke der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft” 1946 wieder aufgebaut.

Blick von der Camsdorfer Brücke auf das Saale-Ufer

D – Datschas: Jenas Stadtbild ist nicht nur von Plattenbauten am Stadtrand, Professoren-Villen am Hang und prachtvollen Gründerzeitfassaden im Damenviertel sowie vom penis jenensis (siehe K) geprägt, sondern auch von Datschas im Grünen. Ob über Friedensberg und Hausberg oder direkt an der Saale: die meist aus der DDR stammenden Gartenhäuschen im Grünen sind noch immer beliebter Rückzugsort, nicht nur am Wochenende.

E – Erfurt: In die thüringische Landeshauptstadt sind es nur 40 Kilometer und die kurze Fahrt mit der Bummelbahn lohnt sich ebenso wie in das 20 Kilometer entfernte Weimar. Die drei unterschiedlichen Städte bilden zusammen die sogenannte Impulsregion, die sich mit ihren kulturellen und wissenschaftlichen Angeboten konkurrenzfähig aufgestellt hat.

F – Friedrich Schiller: Über Schillers Leben ließe sich ein eigenes Alphabet dichten. Wer beim Dichter dabei nur an Weimar, Mannheim oder Marbach denkt, lässt dessen wichtige Jahre in Jena außen vor. Zehn Jahre lebte und wirkte er hier und auch vom Weimarer Hof kehrte er immer wieder nach Jena zurück. 1789 hielt er an der heute nach ihm benannten Universität seine akademische Antrittsvorlesung als Philosophie- und Geschichtsprofessor zum Thema “Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?” 1790 heiratete er hier Charlotte von Lengefeld und die Freundschaft mit Goethe wurde ebenfalls in Jena – im Jahre 1794 in Schillers Wohnhaus am Markt – besiegelt. In seinem Gartenhaus an der Leutra, das heute zu besichtigen ist, schrieb er unter anderem den Wallenstein sowie Teile von Maria Stuart und der Jungfrau von Orleans.

Schiller-Büste in Schillers Garten

G – Goethe: Auch wenn sein Freund Schiller damals wie heute in Jena präsenter war und ist. Auch Johann Wolfgang von Goethe hat an der Saale gewirkt und geforscht. Vor allem seine Förderung der Universität ist unvergessen und auch heute sichtbar. Als Minister vom Weimarer Hof erweiterte er die Mineralogische und Anatomische Sammlung, gründete Laboratorien, richtete Lehrstühle ein und wandelte einen Park zum Botanischen Garten um. Sein naturwissenschaftliches Interesse wird auch an der Entdeckung des menschlichen Zwischenkieferknochens bei eigenen Forschungen in Jenaer Anatomieturm deutlich.

H – Hanfried ist eine Bronzefigur auf dem Marktplatz (siehe M), die Johann Friedrich I. von Sachsen gedenkt. Als Begründer der Universität wurde dem Kurfürsten zur 300-Jahr-Feier 1858 dieses Denkmal gewidmet. Die auch als Salana bezeichnete Hochschule ist heute mit 20.000 Studenten und einem breiten Fächerangebot die einzige Volluniversität in Thüringen. Mit der Blütezeit um 1800 dank Goethe und den zahlreichen Philosophen und Naturwissenschaftlern, die als Professoren und Schüler nach Jena kamen, nannte man Jena “Stapelstadt des Wissens”. Von der Entwicklung zum Industriestandort durch Zeiss, Abbe und Schott profitierte gegen Ende des 19. und im 20. Jahrhundert auch die Universität, die ab 1934 nach Friedrich Schiller benannt wurde und in der NS-Zeit als Massenuniversität zur “ersten rasse- und lebensgesetzlich ausgerichteten Hoschschule Deutschlands” ausgebaut wurde. Von nennenswertem Widerstand gegen das NS-System kann nicht die Rede sein. In der DDR wurden die Studenten im und um den Turm (siehe K) marxistisch-leninistisch erzogen, einige wenige wie Roland Jahn (siehe J) opponierten und wurden exmatrikuliert.

Marktplatz mit Hanfried-Denkmal

I – Iéna: Der Napoleonstein auf einem Hochplateau überhalb der Stadt soll an die berühmte Doppelschlacht von Jena und Auerstedt im Jahr 1806 erinnern. Der Einmarsch und Sieg von Napoleons Truppen gegen die preußische Armee ist auch im kulturellen Gedächtnis Frankreichs bis heute verewigt, so etwa an der Pont d’Iéna, die in Paris direkt beim Eiffelturm über die Seine führt. In der Nähe befindet sich außerdem die Metrostation ‘Iéna’.

J – Jahn, Roland: Der heutige Chef der Stasiunterlagenbehörde ist wohl der bekannteste Jenenser DDR-Oppositionelle. Im Juni 1983 wurde er gewaltsam gefesselt und von der Stasi in den Waggon eines Interzonenzuges gesperrt um ihn aus seiner Heimat in die Bundesrepublik abzuschieben. Zuvor hatte er mit der Jenaer Friedensgemeinschaft und mit Einzelaktionen unter anderem gegen die Aufrüstung und Militarisierung der Gesellschaft demonstriert sowie Friedenskundgebungen und Schweigemärsche organisiert. Mehrfach wurde er bereits wie andere Friedensaktivisten für seine Kritik am SED-Staat in Gewahrsam genommen und deshalb auch von der Universität (siehe H) geworfen. Ein sehenswertes Portrait über Roland Jahns Jenaer Zeit sendete vor kurzem erst das ARD-Magazin Titel Thesen Temperamente.

K – Keksrolle: Von 1969 bis 1973 im Rahmen der sozialistischen Umgestaltung des Altstadtareals (siehe E) als Forschungshochhaus für VEB Carl Zeiss (siehe Z) geplant und gebaut und schließlich jahrelang als Uniturm genutzt, prägt der im Volksmund auch als Keksrolle oder penis jenensis bezeichnete 145 Meter hohe Bau das Stadtbild Jenas. Heute wird er vorwiegend als Bürogebäude genutzt und beherbergt im 27. Stock das nach eigenen Angaben zweithöchste Hotel Deutschlands, Scala.

Pulverturm und Keksrolle - Mittelalter und DDR-Moderne

L – Luther: Der 1483 in Eisleben geborene Theologieprofessor von Wittenberg und Begründer der Reformation predigte des öfteren auch in der Jenaer Stadtkirche St. Michael. Hier befindet sich heute zudem das Original seiner Grabplatte. Luther starb 1546 zwar in seiner Geburtsstadt und fand in Wittenberg seine letzte Ruhestätte, wegen des Schmalkaldischen Krieges und der damit veränderten poltischen Umstände zu jener Zeit ist das in der Erfurter Werkstatt von Johann Ziegler gegossene Bronze-Werk jedoch zunächst nach Weimar gebracht und später vom Weimarer Herzog der Universität Jena geschenkt worden.

M – Marktplatz: In der sogenannten Guten Stube der Stadt mit Hanfried-Denkmal (siehe H), Altem Rathaus, Bismarckbrunnen, Stadtmuseum und Restaurants findet viermal die Woche der kleine, aber feine Markt statt, für den vor allem Samstags liebenswürdige und zugleich geschäftstüchtige Omas ihr Gartengemüse und Blumen aus den Dörfern ankarren. Dazu der beste Bäcker Thüringens, der neben seinem Bauernbrot rund 30 verschiedene Blechkuchen und ab und zu auch Mohn- und Quarkschnecken anbietet – für 70 Cent das Stück.

Jenas bester Bäcker - auf dem Markt

N – NSU: Jena hat seit den 1990er Jahren mit vielen Initiativen und Projekten Rechtsextremismus und Rassismus bekämpft. Stadt, Universität, Kirche und Vereine sorgen bis heute dafür, dass sich Jena interkulturell, solidarisch und familiär präsentiert und Übergriffe auf Ausländer oder Andersaussehende mittlerweile Ausnahmen sind. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass Jena auch Heimat des NSU-Trios war. Die Neonazis Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe mordeten zwar andernorts und die bekannt gewordene Terrorzelle war ein Haus im sächsischen Zwickau, aber alle drei wuchsen in Jena-Winzerla auf und wurden hier – wenn man so will – ’sozialisiert’.

O – Optik: Jena ist dank Zeiss, Abbe und Schott seit rund 150 Jahren das deutsche Zentrum der Optik- und Feinmechanikindustrie. Die aus Jena kommenden Produkte wie Fernrohre, Mikroskope oder Objektive sind weltbekannt (siehe Z). Einige ältere Modelle und deren Geschichte und Geschichten lassen sich heute im Optischen Museum entdecken.

P – Paradies: Direkt an der Saale gelegen, befindet sich das Paradies. Zusammen mit der angrenzenden Rasenmühleninsel und der Oberaue bildet es die beliebteste Parkanlage der Stadt. Vor allem im Sommersemester lesen, lernen, quatschen, spielen, sporteln, grillen und feiern Studenten rund um das Saaleufer. Wer als Durchreisender einen besseren Eindruck von Jena bekommen möchte als von der Autobahn (siehe A), der sollte mit dem Zug vom Süden in den hohen Norden fahren. Der ICE kommt am Paradies vorbei und hält sogar am Mini-Bahnhof.

Paradies-Park

Q – Quergasse: Als Quergasse von Wagnergasse (siehe W) und Bachstraße liegt die Quergasse etwas ruhiger und lädt dennoch zum Verweilen ein – zum Beispiel in der urigen Kneipe Quergasse No.1.

R – Romantik: Jena gilt als Wiege der Frühromantik. Das lag nicht nur an der Nähe zur Weimarer Klassik und den Dichterfürsten Schiller und Goethe. Gerade die Philosophen Fichte, Schelling und Hegel, die Gebrüder Schlegel, der Theologe Griesbach, der Mediziner Hufeland und der Verleger Frommann – um nur einige zu nennen – gehörten zu diesem Romantikerkreis, der Jena um 1800 neben Weimar zum geistig-kulturellen Zentrum Deutschlands entwickelte. Heute lässt sich diese Zeit im Romantikerhaus nacherleben.

S – Steinweg: Diese architektonisch wenig attraktive, dafür aber belebte Straße verbindet das Stadtzentrum mit dem Jenaer Osten auf der anderen Seite der Saale. Zwei Dönerläden, nebenan Nagel-Kosmetiksalon, Brazilian-Waxing- sowie Tattoo-Piercing-Studios. Dazu klingelnde Straßenbahnen, bremsende Busse, stürzende Radfahrer und nackte Tatsachen in den oberen Etagen der Häuser, wie angeblich schon im 19. Jahrhundert: “Auf dem Markte, auf den Straßen, stehn Studenten allzuhauf; Mädchen an den Fenstern stehen und nach den Studenten sehen und wer will, der schaut hinauf.”

Blick vom Steinweg aufs Zentrum

T – Thüringer Bratwurst: Wer nicht zu den Vegetariern oder Veganern zählt, der isst gern mal ne lange, würzige Wurst vom Rost. Die schmeckt in und um Jena einfach am besten und ist ne schnelle und günstige Alternative zum Mensa-Fraß.

U – Urburschenschaft: 2015 jährt sich die Gründung der Urburschenschaft zum 200. Mal. Am 12. Juni 1815 wurden im Gasthaus Grüne Tanne am Wenigenjenaer Saaleufer (siehe C) die bisher bestehenden Landsmannschaften an den Universitäten aufgelöst und durch eine Burschenschaft für alle Studenten ersetzt. Die Forderung der Zusammenführung der Studentenschaft zu einer einheitlichen Organisation – auch als Kritik an der Kleinstaaterei und damit als Vorbote eines vereinigten Deutschland – wurde erstmals 1817 auf dem Wartburgfest öffentlich ausgetragen. Auch der Ursprung der zum Symbol der Burschenschafts- und Demokratiebewegung werdenden und heutigen schwarz-rot-goldenen Nationalflagge ist auf Jena zurückzuführen. Die erste auf der Wartburg gezeigte “Dreibfarb”, 1816 von Jenaer Frauen gestrickt und der Urburschenschaft zum einjährigen Bestehen geschenkt, war noch Rot-Schwarz-Rot mit einem goldenen Eichenzweig in der Mitte und Goldfransen am Rand. Die erstmals 1832 auf dem Hambacher Fest – nun senkrecht gestreifte, aber mit schwarz unten und gold oben noch andersherum – gezeigte Trikolore, ist der unmittelbare Vorgänger der spätestens ab 1848 und bis heute geführten deutschen Nationalfahne.

Gasthaus "Grüne Tanne" - Gründungsort

V – Vinothek: “Und ein Wein wächst auf den Bergen, und der Wein ist gar nicht schlecht, tut er gleich die Strümpfe flicken und den Hals zusammendrücken, ist er doch zur Bowle recht.” Diese Strophe aus dem oben erwähnten Studentenlied trifft auf das ehemalige Winzerdorf hier und heute nur noch teils zu. Zwar gibt es in der Umgebung noch ein paar wenige Rebberge. Wer allerdings spanische, italienische, französische oder badische Tropfen gewohnt ist, lässt den Korken dieser Saale-Weine lieber zu. Dafür lohnt sich eine der Weinverkostungen mit guten Freunden im urigen Weinkeller der Vinothek von Jörg Dietrich. Musik vom Kassettenrekorder, Kerzenschein, verstaubte Flaschen von sowjetischen Weinbauern aus dem Kalten Krieg, Anekdoten und Erklärungen aus der Wissenschaft und Welt der Weine und das Konsumieren von köstlichem Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Spätburgunder oder Syrah.

W – Wagnergasse: “Und im Winter und im Sommer wird servieret auf der Straß. Hei, wie da die Schläger blitzen, hei, wie da die Stöße sitzen, aber alles ist nur Spaß!” So ähnlich wie im Volkslied spielt sich heute vor allem im Sommersemester das Jenaer Studentenleben ab: die beliebte Pommes-Bude Fritz Mitte gleich am Anfang, gefolgt von schicken Cafés, Fußball-Kneipen, Restaurants, Geschenkläden und am Ende der engen Altstadtgasse das Wagner-Café, das mit Lesungen, Kino, Theater und Partys Woche für Woche Studis lockt.

X – Xenophobie ist in Jena direkt weniger anzutreffen, dafür am Stadtrand und im Umland umso mehr. Das berichten nicht nur Flüchtlinge aus Eisenberg, wo sich ein Erstaufnahmelager befindet. Wer als Ausländer erscheint – egal ob als Asylbewerber oder als deutscher Staatsbürger mit Migrationsgeschichte – wird von Neonazis genauso wie von Alltagsrassisten immer wieder verbal und körperlich angegriffen – auch im Jahr 2014. Gerade im Hinblick auf Flüchtlinge, die in ihrem Heimatländern und auf der Flucht schon genug Leid erfahren mussten, wegen den Arbeitsmigranten, die oft hochmotiviert und gut ausgebildet nach Deutschland kommen sowie für die vielen Kinder und Enkel von Gastarbeitern, die längst nicht mehr Gast, sondern hier meist geboren, aufgewachsen und zuhause sind, muss sich jeder von uns gegen überall im Land verstreuten Fremdenfeinde wehren und seine Stimme erheben.

NPD-Plakat in Jena-Winzerla 2014

Y – Yifan ist nicht nur eine hervorragende Gastgeberin chinesischer Kochkunst, sondern auch eine engagierte Germanistin, die in Jena vorlebt, was Integration und Interkulturalität bedeutet.

Z – Zeiss, Carl: Wer meint, Jena ohne Carl Zeiss sei wie Leverkusen ohne Bayer oder Wolfsburg ohne VW, schmälert den Wert der Stadt, da sie wie in diesem Alphabet gezeigt, viel mehr zu bieten hat als das bis heute weltbekannte Industrieunternehmen. Dennoch stieg und fiel die Bedeutung Jenas im modernen Zeitalter mit dem feinmechanisch-optischen Betrieb. Bereits 1846 gründete der Mechaniker Carl Zeiß in der Jenaer Altstadt eine Werkstatt. 20 Jahre später schloss er sich mit dem Physiker und späteren Sozialreformer Ernst Abbe zusammen, der nach Zeiß’ Tod 1885 nach und nach zum Unternehmer aufstieg und mit Unterstützung des Chemikers Otto Schott das für die Produktion wichtige Jenaer Glaswerk aufbaute. Im 20. Jahrhundert folgten Höhen und Tiefen für die Weltkonzerne in fünf verschiedenen Epochen. Hingewiesen werden, muss dabei zumindest auf die große Zahl an Zwangsarbeitern und die Rüstungsproduktion in der NS-Zeit, die Bedeutung des Großkombinats VEB Carl Zeiss für die DDR-Wirtschaft und die Sanierung des Unternehmens unter Vorsitz von Lothar Späth nach dem Ende des SED-Staates. Vielen dürfte auch der nach Carl Zeiss benannte Fußballklub noch im Gedächtnis sein. Vor allem zu DDR-Zeiten genoss der Verein dank Teilnahmen im europäischen Wettbewerb hohes Ansehen. Heute diskutieren Stadt, Investor, Verein und Fans über eine neue Multifunktionarena, sportlich hingegen läuft es für den FC Carl Zeiss Jena jedoch alles andere als rund. Im Gegensatz zu den hochambitionierten Bundesligisten aus Leverkusen und Wolfsburg, denen finanziell von Bayer und VW der Rücken freigehalten wird, kickt der vom Namensgeber kaum noch gesponserte Jenaer Traditionsklub schon seit Jahren viel weiter unten, derzeit in der viertklassigen Regionalliga Nordost.

Zeiss' Grabstätte auf dem Johannisfriedhof

Und zu guter Letzt sei auch noch die letzte Strophe des über Jahrhunderte hinweg gültigen Jenaer Studentenlieds (hier in ganzer Länge) erwähnt, die deutlich macht, warum es sich in Jena echt bene leben lässt.

“Und die allerschönste Freiheit
ist in Jena auf dem Damm.
In Schlafröcken darf man gehen
und den Bart sich lassen stehen,
wie ein jeder will und kann”

Blick vom Jentower zum Landgrafen


Wahlen sollen allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim sein – das gilt für Wähler, die ins Wahllokal gehen genauso wie für Briefwähler. Auch Wahlkandidaten müssen sich an bestimmte Regeln halten und die Wahlhelfer sind zu Stillschweigen über ihr Auszählen verpflichtet. Aber wenn – wie bei EU- und Kommunalwahlen am 25. Mai in Jena – das Wahlchaos ausbricht, darf und muss das auch mal Thema sein.

Dass in einer selbst ernannten “Stadt der Wissenschaft” 25 Jahre nach dem Ende der DDR, zu der sie gehörte, (interessierte) Bürger ihr Wahllokal genervt wieder verlassen ohne Kreuze gemacht zu haben, weil sie über eine halbe Stunde in der Schlange stehen, ist skandalös. Geduldige Menschen, die es bis zur Wahlurne schaffen, diskutieren untereinander eifrig, wie sie denn gleich wählen müssen und stehen verwundert vor einer Tafel mit komplizierten Erklärungen, die vorm Wahllokal aufgebaut ist, bevor sie sich oft minutenlang mit den vier verschiedenen Stimmzetteln in die Kabine zurückziehen. Gerade für ältere Menschen teils eine Qual.

Briefwahllokal

Dass es an diesem Sommer-Sonntag gerade mal eine Wahlbeteiligung von 50 % gibt und nachmittags aus Pappkartons provisorisch mehr Wahlkabinen gebaut werden, macht die Sache nicht besser. Hinzu kommt, dass ein Viertel aller Wähler vorab sogar per Brief abstimmte, was die Situation in den Wahllokalen normal entspannter machen sollte, den Wahlabend aber erst recht ins Chaos stürzt. Denn die Wahlhelfer der meisten Briefwahllokale haben erstmal Briefe, Wahlscheine und verschieden farbige Wahlumschläge zu sortieren bevor es überhaupt ans Auszählen geht. Als den fleißigen Wahlhelfern nach 18 Uhr die Hochrechnung zu Ohren kommt, ist an Kreuze addieren noch längst nicht zu denken. Bis 23 Uhr sind gerade mal die Europawahlzettel ausgezählt, es folgen die Ortsteilbürgermeister bis in die Nacht hinein. Von Gemeinderat und Ortsteilrat kann man dann ab 2 Uhr im Bett nur noch träumen.

In anderen Städten wird den (Präsenz-)Wählern neben der Wahlbenachrichtigung zumindest der Stimmzettel für den Gemeinderat mitgeschickt, damit sie schon mal daheim kumulieren und panaschieren können und somit im Wahllokal kein Stau entsteht (Heidelberg). Oder man konzentriert sich bei so einer Doppel-, Dreifach- oder Vierfachwahl am Wahlabend nicht auf alle Wahlen gleichzeitig und muss sich im Slalom zwischen Kisten der Deutschen Post und diversen Umschlägen und Stimmzetteln bewegen, sondern eben nur auf die Europawahl. Die Kommunalwahlen werden dann am Montag an einem zentralen Ort und mit ausreichend Verpflegung von ausgeschlafenen und fitten Wahlhelfern ausgezählt (Freiburg) – ohne Hektik, Chaos, Platzprobleme, Müdigkeit und das frustierende Fazit aller Wahlhelfer, das erste und letzte Mal bei einer Wahl geholfen zu haben.

Jena kann bei Wahlen noch viel lernen und muss davon ausgehen, dass beim nächsten Mal Wähler wie Wahlhelfer reihenweise in ihrer Bude oder Datscha bleiben. Auch die immer bedeutendere Briefwahl muss künftig übersichtlicher und besser organisiert werden, sonst heißt es bald: Gute Nacht, (ost-) deutsche Demokratie!

Jena in der Dämmerung

Bundespräsident auf Besuch in Buchenwald. Neben Politik, Presse und Lagerüberlebenden traf Joachim Gauck auf seinem Rundgang durch die Gedenkstätte des NS-Konzentrationslagers und des sowjetischen Speziallagers aber auch auf Studenten aus Jena. Impressionen vom Treffen mit dem nationalen Geschichtenerzähler und Demokratielehrer, der im Mega-Gedenkjahr 2014 zur Hochform aufläuft.

„Was für ein schöner Sonntag“ sind Joachim Gaucks erste Worte nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten vor zwei Jahren. Er meinte damit seinen Wahlerfolg, aber auch die ersten freien DDR-Wahlen auf den Tag genau 22 Jahre zuvor. In Buchenwald, wo Gauck durch das gerade erst restaurierte Lagertor des KZ-Geländes geht, steht der Satz in einem ganz anderen Zusammenhang. „Was für ein schöner Sonntag“ ist nämlich die sarkastische Bemerkung des französischen KZ-Häftlings Fernand Barizon bei einem morgendlichen Appell im Schneetreiben 1944. Sein berühmter Mithäftling, der spanische Schriftsteller Jorge Semprún, hat einen seiner Romane über die KZ-Erfahrungen in Buchenwald nach diesem Spruch benannt. Ob Gauck bei seinem Besuch daran denkt, bleibt ungewiss.

Lagertor

Es scheint die Sonne auf dem Ettersberg am ersten Sommertag des Jahres und die gauck‘sche Entourage in ihren dunklen Anzügen kommt schnell ins Schwitzen. Begrüßt werden Staatsoberhaupt sowie Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und Kultusminister Christoph Matschie von Volkhard Knigge, seit 1994 als Gedenkstättendirektor das „Gewissen von Weimar“. Es geht zunächst über den Appellplatz des ehemaligen Konzentrationslagers, in dem von 1937 bis 1945 rund 56.000 Menschen ermordet wurden, in Richtung Krematorium. Gauck lässt sich Zeit, unterhält sich mit Knigge, den jungen Freiwilligen, aber vor allem mit Bertrand Herz. Der 84-Jährige Franzose jüdischer Herkunft überlebte Buchenwald und ist heute Präsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos. Als auf dem „Karachoweg“ plötzlich ein Krankenwagen vorfährt und vorm Lagertor hält, haben die umstehenden Journalisten und Mitarbeiter der Gedenkstätte den gleichen Gedanken. Es wird doch hoffentlich keiner der Zeitzeugen wegen der Hitze umgekippt sein. Neben Herz treffen auch die 89-Jährige KZ-Überlebende Èva Puzstai und der Speziallager-Internierte Günther Rudolph auf den Bundespräsidenten. Eine Besucherführerin gibt jedoch die etwas makabre Entwarnung: „Es ist nur ein Schüler.“ Auf dem Ettersberg herrscht Hochbetrieb, mehrere Schulklassen sind auf dem Gelände unterwegs, das man während des Gauck-Auftritts bewusst für alle Besucher offen gelassen hat.

Gauck schaut sich die Kunstausstellung an, in der unter anderem auch Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Collagen von überlebenden Lagerhäftlingen zu sehen sind. Danach geht’s in den Wald, zu den Stelen und Holzkreuzen, die an Tote des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 erinnern. Hier internierte die sowjetische Besatzungsmacht bis 1950 neben zahlreichen ‘unschuldigen‘ Bürgern auch NSDAP-Mitglieder und hochrangige Funktionäre des NS-Systems, unter anderem aus dem KZ Buchenwald selbst. Deshalb ist der richtige Umgang mit dem Lager bis heute ein heikles Thema. Gauck will beide Lager und Unrechtssysteme bewusst nicht gegeneinander ausspielen, aber man merkt, dass er sich sehr für die Geschichten des Speziallagers interessiert, was an seiner eigenen Familiengeschichte liegen mag.

Lilien an der Gedenkplatte für alle KZ-Opfer

An der Gedenkplatte für alle Opfer des KZ gibt es diesmal keinen Kranz, auch keinen Kniefall. Gauck legt wie alle anderen eine weiße Lilie auf den heißen Stein und hält kurz inne. Danach schreitet er in die „Häftlingskantine“ und will wissen welche Fragen und Meinungen den akademischen Nachwuchs in Bezug auf Schuld, Verantwortung und deren Vermittlung beschäftigen. Neben Gauck und acht Geschichts- und Theologiestudenten sitzen auch die internationalen Freiwilligen der Gedenkstätte sowie Puzstai, Knigge, Lieberknecht und Matschie um ein Modell des KZ-Geländes im Stuhlkreis. Gauck begrüßt alle Studis mit festem Handschlag und tiefem Blick. Er freut sich ihnen zu erzählen, dass er an ihrer Universität die Ehrendoktorwürde in Zeitgeschichte innehat. Diese bekam er 2001 für seine Verdienste um die wissenschaftliche Erschließung deutscher Nachkriegsgeschichte anhand des Quellenbestandes der Stasi-Akten. „Die Gefahr ist groß, dass ich zu einem Referat aushole. Wenn der Bundespräsident über Demokratie redet, kann das dauern“, sagt er zu Beginn schmunzelnd in die Runde und will lieber erstmal die Studis hören. Gauck hört ihnen aufmerksam zu, er stellt Fragen statt Monologe zu halten. Er schaukelt und wippt ständig mit seinem Stuhl. Es ist keine Nervosität, keine Altersanwandlung, es ist Gaucks Interesse und seine Leidenschaft für die Geschichte und deren Wahrheit und Aufarbeitung. Und so diskutiert er auf Augenhöhe mit den Jenaer Studenten – über verschiedene Dimensionen von Schuld, über Wahrheit, die richtige Haltung zu rechter Gewalt und über neue Rituale des Gedenkens.

Studis und Freiwillige mit Gauck vor der "Häftlingskantine"

Nicht zufällig war er zwischen seinem Amt als Leiter der Stasiunterlagenbehörde und dem des Staatsoberhauptes, als Vorsitzender des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie aktiv. In diesen Jahren tourte er als privater Geschichts- und Demokratielehrer durch die Republik. Es war auch eine Art Vorbereitung auf seine jetzige Rolle. So oft wie kaum ein Amtsvorgänger begibt er sich an die Orte deutscher Verbrechengeschichte, vor allem auch im Ausland. Er war in Italien, Frankreich, Polen und zuletzt in Griechenland. Dort wurde er auch mit Forderungen nach Entschädigungen konfrontiert. „Was glauben Sie, wie sich das für mich anfühlt. Da stehe ich und gedenke der vielen Opfer, aber kann doch keine Nebenaußenpolitik machen“, lamentierte er auch wieder in Buchenwald. Er ist eben nur Repräsentant der Bundesrepublik und nicht ihr Regierungschef. Seit zwei Jahren begibt sich Gauck auf diese geschichtspolitische Gratwanderung.

Auch sein Besuch an einem der größten Verbrechensorte auf deutschem Boden, unweit der Weimarer Hochkultur, war gerade wegen der „doppelten Geschichte“ Buchenwalds keine Stippvisite, sondern ein ernster, aufmerksamer und intensiver Besuch an einem wirklich schönen Dienstag im Mai 2014.

Alt-Istanbul, du feine,

du Stadt an Ehren reich.

Am Bosporus und Golden Horne,

kein’ and’re kommt dir gleich!

Auf dem Boot im Bosporus mit Blick auf Moscheen, Paläste und Hochhäuser kommt diese auf Istanbul umgedichtete Strophe des Badnerlieds in die Sinne. Zwar ist eine Woche für die Erkundung dieser Mega-Metropole auf zwei Kontinenten kaum ausreichend. Doch in sieben Tagen erlebt man so viel, dass sich als Reisebericht ein ABC geradezu anbietet.

Und so folgt nun nach dem Berliner Alphabet, dem Glossar aus Buenos Aires und dem Bericht aus Bonn das Istanbuler Reiselexikon mit Kulinarischem, Politischem, Historischem und Alltäglichem. Viel Vergnügen beim Eintauchen!


A – Atatürk, Mustafa Kemal (1881-1938): Der im heute griechischen Thessaloniki geborene erste Präsident der Türkischen Republik nach dem Zerfall des Osmanischen Reichs, ist als Begründer des modernen Staates bis heute bei vielen Türken beliebt. Zwar ist der bereits 1938 verstorbene “Vater der Türken” in der Hauptstadt Ankara in einem zugänglichen Mausoleum aufbewahrt, aber Bilder, Fahnen und unzählige Denkmäler an beinahe allen größeren Plätzen erinnern auch in Istanbul an den Gründervater. Schließlich hat er das Sultanat sowie das islamische Recht abgeschafft und neben dem Säkularismus mitteleuropäisches Rechtssystem eingeführt. Frauen bekamen mehr Rechte und Kopftücher in Universitäten wurden in seiner Ära untersagt, was jedoch nicht alle Türken begeistert hat, genauso wie die Ersetzung der arabischen Schrift durch das lateinische Alphabet, was viele von heute auf morgen zu Analphabeten machte oder auch der Bevölkerungsaustausch zwischen Griechen und Türken.

B – Barbier: Im Friseursalon oder auf Türkisch besser: beim Kuaförü lässt es sich nach einem anstrengenden Tag bestens entspannen. Für Menschen, die ihre Haare sonst selbst frisieren oder beim deutschen Friseur um die Ecke gerade mal für’s Schneiden zahlen, ist der Besuch beim Kuaförü, der strikt nach Geschlechtertrennung arbeitet, ein wahres Erlebnis. Da wird nicht nur an den Locken geschnippelt, sondern Kopf, Nacken, Nase und Ohren gründlich gewaschen, massiert, rasiert, einbalsamiert und das gleich in mehreren Akten. Dazu gibt’s einen Çay und ruhige Musik. Nach einer guten Stunde kommt man duftend und frisch geschniegelt aus dem Schönheitssalon und fühlt sich erholt.

Beim Kuaförü

C – Çay: Ob auf dem Schiff (siehe Portrait-Foto), in der Bar, bei der Arbeit, daheim und zu jedem Essen. Den milden, türkischen Schwarztee, serviert in kleinen Gläschen und mit ein, zwei Zuckerwürfeln gesüßt, trinken Türken wie Touris immer überall. Da steht der Kahve (Kaffee) fast hinten an.

D – Delfine entdeckt man – mit offenen Augen und ein wenig Glück – wenn man mit einem der zig Boote von der asiatischen zur europäischen Seite oder umgekehrt unterwegs ist. Das Wasser des Marmara-Meeres, das sich im Bosporus mit dem des Schwarzen Meeres mischt, ist viel besser als man das angesichts der den Bosporus umgebenden Millionenstadt denken würde. So stehen täglich auch Hunderte von (Hobby-)Fischern auf der Galata-Brücke und an anderen Ufern, um vor allem Sardellen zu angeln. Zu empfehlen sind die Fischbrötchen der Straßenverkäufer rechts und links der Brücke, in Eminönü und Karaköy.

E – Eyüp erreicht man bei einer Schifffahrt entlang des Goldenen Horns, das sich durch den europäischen Teil der Stadt schlängelt. Hier etwas außerhalb des gewöhnlichen Altstadttrubels geht es auch sehr touristisch zu. Jedoch mit vornehmlich muslimischen Touristen, für die der Ort mit seiner Eyüp-Sultan-Moschee, wo sich das Grab eines wichtigen Weggefährten Mohammeds befindet, sowie einer der größten und sehenswertesten Friedhöfe der Stadt, zur bedeutenden Pilgerstätte geworden ist, gleich nach Mekka und Medina. Die nicht-muslimischen Besucher steuern eher das Pierre Loti-Panorama-Café an mit einem sagenhaften Blick über die Stadtteile am Goldenen Horn.

Eyüp-Sultan-Moschee

F – Fenerbahçe ist einer der drei traditionsreichen Istanbuler Fußballclubs. Bei den Gezi-Park-Protesten im vergangenen Jahr schlossen sich viele der sonst rivalisierenden Fangruppen von Beşiktaş, Galatasaray und Fenerbahçe zu Istanbul United zusammen, um geschlossen gegen die Regierung Erdoğan zu demonstrieren. Die Stadien der Vereine liegen mittendrin in belebten Stadtteilen und gehören zum Leben der Istanbuler dazu. Wenn zu einem Spiel des derzeitigen Tabellenführers der türkischen SüperLig ins Stadion im Stadtteil Kadiköy auf der asiatischen Seite 50.000 Fenerbahçe-Fans kommen, sieht man einige von ihnen vor dem Spiel in Fischrestaurants essen und danach in Bars trinken. Auch laute Gesänge aus dem Stadion hört man im ganzen Bezirk, aber von Verkehrschaos, Stress, Menschenmassen, wie in beinahe jeder deutschen Bundesligastadt rund um eine Partie der Fall, ist kaum was zu spüren, da ständig Millionen Menschen durch die Stadt strömen.

G – Galata: Die Galatabrücke am Beginn des Goldenen Horns, über die sich ein Gang in Dämmeratmosphäre lohnt, verbindet die Altstadt um Blaue Moschee und Hagia Sophia mit den moderneren Stadtteilen Karaköy, Beyoğlu und Beşiktaş. Der Galata-Turm gehört zwar zu den viel besuchten Sehenswürdigkeiten. Doch der Aufstieg im Aufzug ist im Vergleich zu allem anderen so teuer, dass man die tolle Aussicht auf Goldenes Horn, Bosporus, Altstadt und zum asiatischen Ufer lieber von der Dachterrasse des Konak-Cafés bei einem Çay genießen sollte.

Galata-Brücke und Turm

Da das leckere Gebäck und der köstliche Pudding des traditionsreichen Cafés “oben” natürlich auch ihren Preis haben, gönnt man sich die Leckereien besser beim Verlassen der Konditorei im Erdgeschoss – für weniger als den halben Preis. Wer beispielsweise zu dritt ist, aber nur zwei Sachen kauft, der bekommt aus Mitleid, Gastfreundschaft oder Nächstenliebe von der aufmerksamen Verkäuferin ein Leckerli extra – ein in Istanbul übrigens oft vorkommendes Phänomen, auf das man bei richtigem Hunger aber nicht spekulieren sollte.

H – Hagia Sophia: In byzantinischer Zeit zunächst die größte und wichtigste Kirche, später zur bedeutendsten Moschee des Osmanischen Reichs umgewandelt, seit 1935 wohl das meist besuchte Museum der Türkei. Vor allem die Kuppel, die den Sakralbau in Spätantike und Mittelalter zu einem architektonischen Wunderwerk werden ließ sowie die zahlreichen orthodoxen Mosaike und dazu der Charme einer Moschee mit seinen Minaretten, finden bei Kunst- wie Kirchenfreunden aus aller Welt große Beliebtheit.

Hagia Sophia

I – Islam Alleine Hunderte von Moscheen und Minarette, aus denen über Lautsprecher die Muezzins zum Gebet aufrufen, zeigen die Präsenz des islamischen Glaubens. Dabei ist, wie bei Kirchen auch, jede Moschee anders. So lohnt es sich nicht nur in die bekannte Sultan-Ahmed-Moschee, die wegen der blauen Fliesen an Kuppel und Gemäuern bei uns auch als Blaue Moschee bekannt ist, durch den Touristeneingang zu wandern, sondern mehrere anzuschauen. Also Schuhe aus, in den Plastikbeutel rein, Frauen Schal als Kopftuch drüber und ab auf den Teppich. Außer in der Eyüp-Sultan-Moschee und der Sultan-Ahmed-Moschee, wo sich die meist sunnitischen Muslime drängen, sind die islamischen Gotteshäuser nicht ständig besucht und belebt. Cem-Häuser, in denen die in der Türkei unterdrückten und in Deutschland willkommenen Aleviten beten, sind für einen Islam-Laien kaum zu erkennen.

Sultan-Ahmed-Moschee

Auch das Straßenbild in den modernen Stadtteilen und im Zentrum Istanbuls ist vom dem in Teilen Berlins, Kölns oder Mannheims kaum zu unterscheiden. Mit Burka ganz verschleierte Frauen sieht man nur wenige und auch Muslimas mit Kopftuch sind nicht gerade in der Überzahl, was in ländlicheren Regionen sicher auch anders sein kann. So wirkt die Stadt entgegen ihrer byzantinischen und osmanischen Geschichte sowie der von Ministerpräsident Erdoğan derzeit wieder stärker propagierten Rückbesinnung auf den islamischen Staat, westlicher bzw. mitteleuropäischer als so manche Stadt im Süden Spaniens oder Italiens.

J – Jachten sucht man im Bosporus vergeblich. Hier dominiert das Bild von Passagierschiffen, Fähren, Fischerbooten und ab und zu steht mal ein Kreuzfahrtschiff vor den Toren der Stadt. Dazu – im Vergleich zu anderen Küstenstädten – recht wenige Fracht- und Containerschiffe. Um einen Hafen mit Segelschiffen und Jachten zu betrachten, muss man etwa in eine Ecke der asiatischen Seite, ins vornehme Viertel Moda mit seinen schicken Restaurants und Läden, teuren Apartments und der Uferpromenade, die sich vom Fährhafen in Kadiköy bis dorthin schlängelt – mit Blick auf das historische Istanbul auf der europäischen Seite lohnt sich dort ein Spaziergang bei Sonnenuntergang.

K – Kadiköy auf der asiatischen Seite ist für Istanbul-Besucher wie für Bewohner der Stadt ein super Stadtteil zum Schlafen, Shoppen, Schnabulieren und als Ausgangspunkt für die Erkundung der Metropole. Gerade nach einem anstrengenden Touri- oder Arbeitstag ist der Heimweg mit dem Schiff und zu Fuß sowie mit einer der alten Trams in die alternativ angehauchten Sträßchen zwischen dem belebten Kadiköy-Ufer und dem noblen Viertel Moda ein Genuss. Wer etwas Passendes findet, sollte sich in diesem Bezirk ein privates Apartment oder Zimmer mieten.

Tram in Kadiköy

L – Lokum ist eine sehr süße Süßigkeit, die neben dem auch bekannten Baklava und anderen türkische Köstlichkeiten aus Bäckerei und Konditorei, in Istanbul überall angeboten wird. Die aus Sirup gewonnenen, gelierhaltigen, klebrigen Würfel, die mit Puderzucker oder Kokos bestäubt werden, gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen und sind oft auch mit Mandeln oder Pistazien verfeinert.

M – Miesmuscheln (Midye Dolma ) : Die überall in Ufernähe angebotenen, mit Reis und orientalischen Gewürzen gefüllten Miesmuscheln, sind genau der richtige Snack für zwischendurch. Ein Spritzer Zitrone drauf und ab in den Mund!

N – Nar: Wer frisch und selbst gepressten (Blut-)Organgensaft zu schätzen weiß, der wird sich freuen, dass er sich in Istanbul damit beinahe an jeder Ecke kostengünstig erfrischen kann. Doch gesteigert wird das noch vom in Deutschland – allem derzeitigen Hype um Salben, Seifen, Shampoos und Spüli mit Granatapfelgeruch zum Trotz – kaum bekannten, aber köstlichen Granatapfelsaft (türkisch: Nar). Die schweren Saftpressen mit Handkurbel sorgen ruckzuck für einen vollen Becher.

Granatapfelsaft frisch gepresst

O – Osmanisches Reich: Vorgängerstaat der türkischen Republik (1299-1923) mit der Hauptstadt Konstantinopel (ab 1453) bzw. Istanbul sowie Machtbereich der Osmanen-Dynastie im Nahen Osten, Balkan und Teilen Afrikas wie Asiens. Siehe u.a. Buchstaben A – E – H – I – P

P – Paläste: Zunächst residierten die Sultane im Topkapı-Palast in der heutigen Altstadt direkt am Marmara-Meer mit Blick auf den asiatischen Kontinent. Dort lassen sich heute neben den zahlreichen Gärten und Parks einzelne Bauten und Räume sowie darin ausgestellte Sammlungen, etwa von Uhren, Waffen oder Schmuck anschauen. Als sich die Kalifen im 19. Jahrhundert gerne europäisch moderner repräsentiert sehen wollten, wurde unter der Ägide von Abdülmecid I. direkt am Bosporus-Ufer um 1850 der Dolmabahçe-Palast als neue Hauptresidenz der osmanischen Herrscher errichtet. Dieser setzte sich vom mittelalterlich wirkenden Topkapı durch seine goldverzierten Räume, einen prunkvollen Ballsaal sowie einen großzügigen Hamam wie Harem aus.

Dolmabahçe-Palast

Q Diesen Buchstaben kennt das türkische Alphabet nicht.

R – Raki: Den Anis-Schnaps trinkt man abends gerne in Bars, verdünnt mit Wasser und gekühlt mit Eiswürfeln. Um den Kater am nächsten Tag zu vermeiden, empfehlen geschäftstüchtige Kellner auch mal einen starken Käse dazu.

S – Schuhputzer: In Istanbul wimmelt es von zahlreichen Männern, die diesem altehrwürdigen Gewerbe nachgehen. Zwar gehören sie zum Stadtbild dazu und vor allem Türken selbst lassen ihre Treter auf der Straße reinigen. Doch um wenigstens hin und wieder auch touristische Kunden zu “gewinnen”, greifen die mobilen Schuhputzer in ihre schauspielerische Trickkiste. Kommt man ihnen entgegen, lassen sie etwa ihre Bürste hinter sich fallen und laufen scheinbar unbemerkt weiter. Als freundlicher Mensch hebt man diese natürlich nichts ahnend auf und gibt sie ihm zurück, worauf der schlaue Schuhputzer aus Dank zu Knien fällt und sofort beginnt die Schuhe des “Bürstenretters” mit einer Zahnbürste und Shampoo-Wasser zu polieren.

Schuhputzertrick

Währenddessen unterhält er sich wohlwollend auf Deutsch und verlangt am Ende mit Verweis auf seine vielen Kinder einen stolzen Preis. Der Autor und seine Mitreisenden haben die Erfahrung selbstredend am eigenen Schuhwerk erfahren. Doch wer sich über sowas ärgert und Schuhputzer verteufelt, der sollte nicht reisen und besser auf dem heimischen Sofa TV-Reportagen über Touri-Abzocken gucken. Schließlich waren die Schuhe wirklich sauber und die schauspielerische Leistung ein paar türkische Lira wert.

T – Taksim Meydan: Zunächst nur Protest von Umweltschützern wegen der Zerstörung des Gezi-Parks – einem der wenigen, kleinen Grünflächen im Istanbuler Zentrum – für den Bau eines Einkaufszentrums, weiteten sich die Demonstrationen von Studenten und bald allen möglichen Bevölkerungsgruppen auf dem angrenzenden Taksim-Platz zu einer demokratischen Bewegung gegen die Politik der AKP-Regierung von Premier Recep Tayyip Erdoğan aus. Die teils mit heftiger Polizeigewalt niedergeschlagenen Proteste – in ganz Istanbul und anderen Städten der Türkei – vom Frühjahr 2013 haben bis heute zahlreiche, vor allem junge und alevitische Todesopfer gefordert.

Taksim-Platz mit Atatürk-Denkmal

Erst vergangene Woche erlag der 15-jährige Berkin Elvan nach 270 Tagen im Koma seinen Verletzungen. Nach dem spontanen Trauermarsch und erneuten Demonstrationen gegen Erdoğan kamen wie bereits im vergangenen Jahr Tränengas und Wasserwerfer zum Einsatz. Die bereits angespannte politische wie gesellschaftliche Lage, eine Woche vor den Kommunalwahlen, die diesmal auch zu einem Stimmungstest für den Ministerpräsidenten werden, ist nunmehr verschärft. Der wegen seiner Bauprojekte um einen dritten Großflughafen oder einer dritten Brücke über den Bosporus bereits bei vielen in der Kritik stehende Erdoğan hat sich durch Unterdrückung von Minderheiten, Korruptionsverdacht sowie sein Twitter-Verbot in den vergangenen Wahlkampfwochen eher mehr Feinde als Freunde gemacht.

U – Üniversitesi: Ob staatliche oder private, türkische oder amerikanische. Wer einige Tage in die Stadt eintaucht, merkt schnell: es wimmelt nur so von Universitäten in Istanbul. In jedem Stadtteil, teils in exponierter Lage am Bosporus mit eigenem Bootssteg und Dachterrasse, aber auch ganz einfach, heruntergekommen und eher versteckt. So wundert es kaum, dass sich in Istanbul viele ausländische Studis und Doktoranden – gerade auch aus Almanya – rumtreiben.

V – Versunkener Palast siehe Z

W – Weinblätter: Wer auf Klamotten und Schmuck steht, der ist auf dem Basar gut aufgehoben, für Hobbyköche und Feinschmecker sind jedoch die Wochenmärkte und Straßenläden etwa in Kadiköy ein wahrer Genuss. Neben frischem Fisch und einem großartigen Gemüseangebot, oft auch eingelegt, sind hier besonders Trockenfrüchte, Oliven jeglicher Couleur und gefüllte Weinblätter angesagt. Wer diese daheim in Deutschland oder anderswo zubereiten möchte, der kaufe sich für ein paar türkische Lira eine Weinblätter-Rollmaschine auf einem Markt.

Köstliche Weinblätter

X – siehe Q

Y – Yarım Ekmek Kokoreç ist ein halbes Brötchen, das mit gegrillten Stückchen von Lammdärmen und gebratenem Gemüse gefüllt wird. In Istanbul sieht man viele Läden, die statt Fleisch auf den bekannten, senkrechten Döner-Spießen, Lammdärme um mehrere waagrechte Spieße gewickelt grillen. Eine köstliche Mahlzeit, die jedoch nicht alle mögen.

Z – Zisterne: Die Yerebatan-Zisterne oder Cisterna Basilica im Altstadt-Viertel Sultanahmet, direkt gegenüber der Hagia Sophia, diente als Wasserspeicher für die Versorgung des kaiserlichen Palastes in der Spätantike unter Justitian. Das Wasser kam über Viadukte vom Belgrader Wald außerhalb der Stadt. Aufgrund der hohen Säulen, die das Gewölbe tragen, wird die Zisterne auch Versunkener Palast genannt. Heute kann man diesen auch in Literatur und Film (etwa James Bond – “Liebesgrüße aus Moskau”) beliebten Ort besichtigen.

Abendliches Kadiköy-Ufer

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